R.I.P. - Rappers in Prison

Mit den Mitteln Biografischer Theaterarbeit und des Hip-Hops verfassten Männer der Justizanstalt Wien-Favoriten im Rahmen des seit vier Jahren regelmäßig stattfindenden Projektes Wir_Hier, Kunst unter Strafe persönliche Statements zum Thema Liebe und Gefängnisalltag. Geprobt wurde mit der Regisseurin Beate Göbel und dem Rapper Furious Steez: es galt, Beats auszusuchen, Zeilen zu verkürzen, Worte anzupassen. Immer wieder wurde gekritzelt, gestrichen und ergänzt. Die zur Verfügung stehenden Mittel waren - trotz großzügiger Unterstützung durch die Anstalt - karg und in erster Linie auf Zeit, Raum und vor allem die Energien jedes einzelnen der Teilnehmer, wie auch ihre Zusammenarbeit beschränkt. Geübt wurde mit zwei Tonträgern - zu teilen und sich zu organisieren war also angesagt. Alle Proben fanden von Juni bis August 2007 in der Justizanstalt Wien-Favoriten statt.

Für die anschließenden Aufnahmen im Tonstudio bekamen die inhaftierten Männer einen bewachten Sonderausgang ins Tonstudio das-kw im 16. Bezirk. Eine Verbindung von `drinnen und draußen` mit dem Ziel, Grenzen zu verwischen und Akzeptanz zu ermöglichen, konnte mit diesem Ereignis einen Anfang finden. Die CD wurde im Herbst abgemischt, vom Verein Impulsein in limitierter Auflage (100 Stück) produziert und konnte am 16. Januar 2008 im Theater an der Gumpendorferstrasse präsentiert werden. Zu diesem Ereignis wurde den inhaftierten Männern erneut ein bewachter Sonderausgang gewährt. Im Publikum befanden sich neben Freunden und Angehörigen der inhaftierten auch MedienvertreterInnen und VertreterInnen des Justizministeriums. Da im Vorfeld der CD-Präsentation die Songtexte der Männer in das Theaterformat Fight Club 2 integriert waren, war auch das Theaterpublikum anwesend. An diesem Abend konnte auch veröffentlicht werden, dass der Musikproduzent Hoanzl in weiterer Folge die Raps der Männer als 12" VINYL herausgeben und vertreiben wird. Damit wird den inhaftierten Männern ein professionalisierter Status zuteil, der ihr eigenes Selbstbild in eine neue Richtung lenken kann.

Rappers in Prison verdeutlicht, dass mit innovativen Ideen, unkonventionellen Methoden und kreativen Mitteln Grenzen überwunden werden können. Dabei können sowohl persönliche und gesellschaftliche Prägungen als auch emotionale Muster neu definiert und erlebt werden. Schließlich können die Männer wesentliche eigene Wahrnehmungsveränderungen und -erweiterungen austauschen. Die CD, die LP, die Interviews (die, die inhaftierten Männer für Fernseh-, Radio-, und Zeitungen gegeben haben) fungieren nachhaltig als Erinnerungsräume, verankern die persönliche Erfahrung und dienen als Sprachrohr, um den Arbeitprozess und dessen Ergebnisse an Interessierte zu vermitteln.

weiter Infos: www.wirhier.at